«Gehasst, verdammt, vergöttert»

Ein Gastbeitrag von Rafael Bittel

Sie sind schuld an Niederlagen, aber ohne sie geht es nicht. Sie zerstören Spiele, aber ohne sie würde nie angepfiffen werden. Sie haben keine Ahnung von den Regeln, aber müssen in Zehntelsekunden über Strafe oder Nicht-Strafe entscheiden. Die Rede ist von den Schiedsrichtern.

„Gehasst, verdammt, vergöttert“ – so nennt sich ein überdurchschnittlich erfolgreiches Album der deutschen Rockband Böhse Onkelz. Diesen Hass, den bekommen unsere Schiedsrichter jedes Wochenende zu spüren. Läuft es schlecht, ist der Schiedsrichter schuld. Läuft es gut, ist das der Mannschaft zu verdanken. Der Mann mit der Pfeife hat in der OUM einen schweren Stand.

Kommentar

Ein milder Frühlingstag im April vergangenen Jahres. Die Playoffs stehen an, Spiel 3 im Finale der Junioren. Nachdem die Embder Devils das erste Spiel gewonnen hatten, konnte der KTV Glis mit einem Sieg im zweiten Spiel die Spannung zurückbringen. Eine Sensation lag in der Luft, denn die Junioren der Devils waren die Überflieger der Saison. Dass mit dem KTV Glis nun ein Underdog die Belle erzwingen konnte, grenzte an ein Unihockey-Wunder. Die Devils starteten verhalten in die Partie und lagen rasch mit 0:2 hinten. Durch den Coach aufgeweckt, fanden sie aber bald zu alter Stärke zurück. Der KTV mochte das Tempo nicht mehr mitgehen und fasste wiederholt kleine Zweiminuten-Strafen. Deren Coach (Name der Redaktion bekannt) wurde zusehends nervöser, je länger das Spiel andauerte. Immerhin, der KTV kämpfte wacker und konnte den Anschluss einigermassen halten. Dann der Eklat: Nachdem der Gliser Coach wenige Minuten zuvor vom Schiedsrichter mündlich ermahnt wurde, sich bitte mit der verbalen Kritik an den Schiedsrichterentscheiden etwas zurückzuhalten, enervierte er sich nach einer harten aber fairen Intervention eines Embder Juniors erneut dermassen, dass der Schiedsrichter gezwungen war, ihn zu bestrafen. Dazu sollte es aber nicht kommen, denn der Gliser Coach schritt entschlossenen Schrittes Richtung Schiedsrichter, holte aus und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht. Glücklicherweise konnte der Schiedsrichter reaktionsschnell seinen Kopf zurückziehen, sodass der Schlag ihn nicht mit voller Kraft erwischte.

Unbestritten, solche Szenen sind die grosse Ausnahme. Und darüber darf die OUM-Gemeinde sich glücklich schätzen. Denn genau solche Szenen führen dazu, dass der Respekt den Schiedsrichtern gegenüber abnimmt. Zur Erinnerung: Die Szene ereignete sich vor den Augen zahlreicher Junioren. Kleine Unihockey-Gofen, die noch weit entfernt von der Volljährigkeit waren. Deren Reaktion allerdings zeigte, dass sie in Sachen Sportlichkeit ihrem um Jahre älteren Coach bereits meilenweit voraus waren: Sie gingen nach der Partie zum Schiedsrichter und entschuldigten sich für das Verhalten ihres Coaches. Das ist grosser Sport, das ist Fairness!

Diese Anekdote zeigt, dass es nicht zu spät ist. Noch gibt es Junioren, die die Unparteiischen respektieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Vereine die Junioren-Coaches überlegt auswählen. Denn Sportlichkeit und Fairness muss den Kleinen ganz früh vermittelt werden. Voraussetzung dafür ist ein geeignetes Vorbild.

Niemand erwartet, dass Schiedsrichter vergöttert werden. Sie sollen aber respektiert und ihre Arbeit soll anerkannt werden. Das Leistungsgefälle unter den OUM-Schiedsrichtern ist gross, kein Zweifel. Trotzdem breche ich hier eine Lanze für all’ unsere Schiedsrichter und behaupte: Kein einziger von ihnen begeht in einem einzelnen Spiel mehr individuelle Fehler als der beste Spieler beider Mannschaften. Müssten die Spieler für jeden Ballverlust, für jeden taktischen Fehler, für jeden Schuss neben das Tor verbale Kritik einstecken – könnten sie dann noch cool bleiben? Der Schiedsrichter muss es und er tut es. Spiel für Spiel, Saison für Saison. Unbestritten, die Mannen mit der Pfeife sind die wahren Helden der OUM-Meisterschaft. Zumindest für mich.

 

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Max Muster

Volken ist eine Katastrophe! Der darf nicht mit Kindern arbeiten… gefährlich!!!

Meisterschaft Damen