Spielbericht 23.01.2016

UHC Green Vipers vs. UHC Visper Lions

Den ganzen Optimismus, den der „Halbzeit!“-Bericht eben noch versprüht hatte, erlitt vor wenigen Tagen einen argen Dämpfer: Die Verletzungshexe war zurück! Die Vipers haben eine anstrengende Woche hinter sich, die am heutigen Samstag ihren Höhepunkt fand.

Der Kader ist bekanntermassen klein. Sehr klein sogar. Gerade einmal neun Mitglieder zählt die Schlangenpopulation noch. Ausfälle schmerzen deshalb besonders. Da wäre einmal Bovet, die physisch starke Abwehrspielerin. Wie es halt so ist, bei Amateursportlern: Die Arbeit rief – da waren’s nur noch acht. Die langzeitverletzte Borter E., die sich – und das ist eine Warnung an alle kommenden Gegner – auf dem Weg der Besserung befindet. Da waren’s nur noch sieben. Die schussstarke Wichmann, die Spiele im Alleingang entscheiden kann, heute aber grippegeplagt auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Da waren’s nur noch sechs. Die Flügelflitzerin Passeraub, die vom UHC Visper Lions ein Spielverbot erhielt. Da waren’s nur noch fünf. Und zu allem Übel noch das defensive Rückgrat und die Topskorerin in Personalunion, Borter A., der eine heimtückische Verletzung Schmerzen bereitet. Da waren’s nur noch vier.

Die vier verbliebenen Schlangen traten am frühen Morgen die Reise nach Naters an. Im ersten Spiel trafen sie auf den UHC Visper Lions. Die Mannschaft, die man in der Hinrunde mit einem knappen 7:6-Sieg nach Hause schickte. Heute allerdings war vieles anders, denn die Spielverbote der UHC Visper Lions trafen vor allem auch ihre eigene Mannschaft. Hört sich komisch an, war aber tatsächlich so. Wir klären auf.

Kommentar

Der UHC Visper Lions verfügt über eine Damenmannschaft, die auf dem Grossfeld spielt. Diese Mannschaft wurde vor fünf Jahren gegründet. Sie besteht zum grossen Teil aus Spielerinnen der OUM-Damenmannschaften. Das führt zur absurden Situation, dass eine Spielerin plötzlich Mitglied zweier verschiedener Vereine gleichzeitig sein kann. Das Spielreglement der OUM erlaubt dies – allerdings nur bei den Damen. Bei den Herren wird dies lediglich ein Jahr lang geduldet, danach muss der Spieler sich entscheiden: Entweder weiterhin für den UHC Visper Lions auf dem Grossfeld auf Torejagd gehen oder beim Stammverein bleiben und in der OUM um den Pott kämpfen. Diese Reglementierung gibt es bei den Damen nicht. So kam es, wie es kommen musste: Ein Spiel der Damen-Grossfeldmannschaft des UHC Visper Lions fiel auf den selben Tag wie ein OUM-Spieltag. Sämtliche Spielerinnen, die dem (erweiterten) Kader dieser Grossfeldmannschaft angehören, sollen deshalb, gemäss einer verlässlichen Quelle aus dem Umfeld des UHC Visper Lions, angehalten worden sein, bei den OUM-Spielen nicht anzutreten.

Wenig erstaunlich, war das OUM-Damenteam des UHC Visper Lions von dieser Massnahme am stärksten betroffen. So fehlten beispielsweise die Allrounderin Jäger, das Sturmtalent Kalbermatter oder die wieselflinke Flügelsprinterin Carlen. Den Vipers war’s egal, sie hatten andere Sorgen. Die quälende Frage: Wie überstehen wir die 80 Minuten mit drei Spielerinnen und einer Torhüterin?

Die Antwort: Ganz gut! Als ob es kein Morgen gäbe, legten die Vipers los wie die Feuerwehr: Lötscher und zwei Mal Inderkummen stellten die Weichen mit ihren frühen Toren rasch einmal auf Sieg. Der Treffer zum 3:1 war ein Tropfen auf den heissen Stein, denn richtig gefährlich wurde es für die Vipers nie. Selbst den Verletzungsschock in der 21. Minute – Inderkummen verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung – steckten die Schlangen gut weg: Die angeschlagene Borter A. sprang in die Bresche und wurde mit ihren vier Toren und einem Assist sogar noch zur Matchwinnerin. Am Ende resultierte ein 9:1-Kantersieg, der auch in dieser Höhe äusserst verdient war. Denn die fünf tapferen Schlangen (Michlig, Lötscher, Meichtry, Inderkummen und Borter A.) spielten aufopfernd, mutig und mit einem klaren Spielplan. Eingestellt von Coach Bittel, ging der Plan von vorne bis hinten auf. Es ist eine abgedroschene Phrase, aber nirgendwo würde sie besser klingen als hier: Das war eine taktische Meisterleistung!

UHC Green Vipers – UHC Visper Lions 9:1 (3:1, 6:0)
Turnhalle Naters – 20 Zuschauer – SR Gruber
Tore: 2. Lötscher (Inderkummen) 1:0. 3. Inderkummen (Lötscher) 2:0. 4. (03:05) Inderkummen (Lötscher) 3:0. 4. (03:46) Gasser 3:1. 26. Borter A. (Lötscher) 4:1. 32. Lötscher (Borter A.) 5:1. 33. Borter A. (Lötscher) 6:1. 34. Borter A. (Meichtry) 7:1. 38. Borter A. (Meichtry) 8:1. 39. Lötscher (Borter A.) 9:1.
Strafen: –
Green Vipers: Michlig Jasmin; Lötscher Anna, Borter Alexandra, Meichtry Claudine; Inderkummen Marielle.
Visper Lions: –
Bemerkungen: Visper Lions komplett. Green Vipers ohne Wichmann (verletzt), Borter E. (verletzt), Bovet (beruflich) und Passeraub (gesperrt). – 23:08 Inderkummen (Green Vipers) verletzt ausgeschieden. – Lötscher (Green Vipers) und Gasser (Visper Lions) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.

Statistik

 


UHC Green Vipers vs. UHC Fletschi Cracks

Im zweiten Spiel des Tages trafen die Vipers auf den ungeschlagenen Serienmeister Fletschi Cracks. Die Damen aus dem Saastal zeigen auch heuer wieder eine beeindruckende Meisterschaft: 6 Spiele, 6 Siege. Heute folgte der erste richtige Ernstkampf. Nicht den Vipers wegen, nein, den Vispern wegen. Ein verwirrendes Wortspiel, das rasch aufgeklärt ist: Die drei besten Spielerinnen der Fletschi Cracks wurden mit dem Spielverbot der UHC Visper Lions belegt, weshalb neue Kräfte es richten mussten.

Coach Zurbriggen behagte diese Situation sichtlich, denn nun, so der Saaser Meistertrainer, müssten sich diejenigen Spielerinnen beweisen, die sich sonst hinter den „Stars“ verstecken können – oder versteckt werden, alles eine Frage der Sichtweise. Engagiert wie eh und je sprach Zurbriggen von „Leistungsgefälle“, „Rookies“ und „einem harten Spiel“. Letzteres wollte ihm niemand so richtig abnehmen, stand dem OUM-Überflieger ein wahres Rumpfteam gegenüber. Vier Schlangen, eine davon schwer angeschlagen. Die alte Reptilienweisheit bewahrheitet sich halt eben doch: Der Winter ist nicht der Schlangen Zeit.

Unbeeindruckt der scheinbaren gegnerischen Übermacht, legten die Vipers auch im zweiten Spiel wieder mutig los. Defensiv solid stehen, einen Zuckerpass über das ganze Feld spielen, abdrücken und auf 1:0 stellen. So in etwa könnte der Plan von Coach Bittel zu Beginn dieses Spiels ausgesehen haben. Erneut ging er auf, Borter A. traf in der 2. Minute zum 1:0.

Danach wehrten sich die Vipers mit Händen und Füssen: Furchtlos warfen sie sich in die Schüsse, überlegt kontrollierten sie das Spielgeschehen und spitzbübisch warteten sie auf Fehler des Gegners. Je mehr Sekunden auf der Matchuhr verstrichen, desto ungeduldiger wurden die Fletschi Cracks. Sollte dem krassen Underdog aus Turtmann hier wirklich der grosse Coup gelingen?

In der 17. Minute war es dann Andenmatten, welche die Saaser endlich erlöste. Nach unzähligen Paraden von Michlig, abgeblockten Schüssen von Meichtry und Lötscher sowie erfolgreichen Balleroberungen von Borter A. war es nun also doch noch geschehen. Der Ausgleich gab den Fletschi Cracks sichtlich Aufwind und sie schafften es sogar noch, auf 1:2 zu erhöhen. Doch damit nicht genug, ein Kullerball von Bumann J. fand irgendwie den Weg ins Tor – 1:3, Pause.

Eigentlich waren die Vipers bereits jetzt mit ihren Kräften am Ende und hätten das Geschehen lieber in die Kantine verlagert. Blaue Flecken, akuter Sauerstoffmangel, Hunger und Durst – es hätte in dieser Situation 1000 Gründe gegeben, die Heimreise anzutreten. Doch die Vipers bewiesen mentale Stärke und bissen sich zurück. 33. Minute, Borter A., 2:3. Was für ein Tor! Michlig gedankenschnell auf Borter, diese marschiert – als trüge sie Siebenmeilenstiefel – auf der linken Seite nach vorne. Oben rechts, 2:3. Die Vipers waren zurück!

Allerdings nur kurz, denn die Frau der wichtigen Tore schritt zur Tat. 40 Sekunden später, 2:4, Jana Bumann. Eine Goalgetterin wie sie im Lehrbuch steht: Kalt wie eine Hundeschnauze. Angetrieben von der Aggressivleaderin Andenmatten – die die fehlenden „Hochkaräter“ komplett vergessen machte – trafen die Fletschi Cracks zwei Minuten später zum vorentscheidenden 2:5. Das 2:6 fiel nach einer sehr umstrittenen Balleroberung und war reine Resultatkosmetik.

Die Freude war gross, als auch die 80. Spielminute endlich um war. Der Sieg der Fletschi Cracks war zweifelsfrei ein verdienter. Sie hatten mehr Spielanteile, die gefährlicheren Torchancen und vor allem mehr Benzin im Tank. Das Spiel zeigte allerdings auch, dass die Mannschaft um Coach Zurbriggen ohne die „magischen Drei“ nicht unschlagbar ist. Dass die Vipers heute mit den allerletzten Kräften diesem übermachtigen Gegner das Leben derart schwer gemacht haben, verdient allergrössten Respekt. Über beide Spiele hinweg gesehen, war es vermutlich die stärkste Leistung, die eine Mannschaft der Green Vipers an einem OUM-Spieltag überhaupt zeigte. Kampfstark, ausdauernd, mental bereit und taktisch hervorragend. Liebe Schlangen, diese Leistung verdient nur ein Prädikat: Weltklasse.

UHC Green Vipers – UHC Fletschi Cracks 2:6 (1:3, 1:3)
Turnhalle Naters – 60 Zuschauer – SR Imthurn
Tore: 2. Borter A. (Lötscher) 1:0. 17. Andenmatten (Hugo) 1:1. 19. Hugo 1:2. 20. Bumann J. 1:3. 33. (32:10) Borter A. (Michlig) 2:3. 33. (32:45) Bumann J. 2:4. 35. 2:5. – 38. Bumann J. 2:6.
Strafen: –
Green Vipers: Michlig Jasmin; Lötscher Anna, Borter Alexandra, Meichrty Claudine.
Fletschi Cracks: –
Bemerkungen: Fletschi Cracks komplett. Green Vipers ohne Wichmann (verletzt), Inderkummen (verletzt), Borter E. (verletzt), Bovet (beruflich) und Passeraub (gesperrt). – 34:51 Time-Out Green Vipers – Borter A. (Green Vipers) und Bumann J. (Fletschi Cracks) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.

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David

Nicht sehr interessante Spiele aber wie geschrieben taktisch top. Für die Playoffs reicht es aber wohl nicht?!?!

Meisterschaft Damen